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Unwetter Ybrig 20. Juni 2007

Am vergangenen Mittwoch entlud sich nach ca. 20.00 Uhr über der Region Ybrig ein heftiges Gewitter. Was anfänglich wie ein normales Gewitter aussah, entwickelte sich zu einer wahren Sintflut. Regenmengen von bis zu 100 mm pro Stunde liessen zahlreiche Bäche innert kurzer Zeit über die Ufer treten und verwandelte Strassen und Felder zu reissenden Flüssen.

Um ca. 20.40 Uhr wurde bei der Feuerwehr Oberiberg Grossalarm ausgelöst, kurze Zeit später rückte auch schon das TLF aus. Erste Priorität lag beim Absperren der überfluteten Strassenabschnitte, der Verkehr in und aus Richtung Tschalun, wie auch die gesamte Jessenenstrasse bis nach Unteriberg waren nicht mehr passierbar und mussten gesperrt werden. Dies wurde auch so manchem Feuerwehrmann zum grossen Problem, um ins Feuerwehrlokal zu gelangen. Etwas später wurde dann die Jessenenstrasse auch noch durch einen Erdrutsch verschüttet. Derweil herrschte in der Zentrale der Feuerwehr Oberiberg Hochbetrieb, Meldungen von Erdrutschen, überfluteten Kellern und Wohnungen liessen die Telefonleitungen heiss laufen. Bald war klar, dass die Feuerwehr Oberiberg Verstärkung anfordern musste. Normalerweise würde die Feuerwehr Unteriberg und die Stützpunktfeuerwehr Einsiedeln aufgeboten, beide Feuerwehren standen jedoch selber bereits im Grosseinsatz, zudem waren zu diesem Zeitpunkt alle Verkehrswege nach Oberiberg blockiert. Trotzdem erhielten wir dann doch relativ schnell Hilfe von der Feuerwehr Illgau, welche den erschwerten Anfahrtsweg über die Ibergeregg in Angriff genommen hatte. Dank der Feuerwehr Illgau hatten wir nun mehr Tauchpumpen zur Verfügung,  an welchen es bei so viel Wasser an allen Ecken und Enden fehlte.

Als nach etwa einer Stunde der Regen etwas nachliess, konnten die ersten Schadenplätze erreicht werden, diese waren im ganzen Dorf verstreut. Unsere Feuerwehrleute waren meist in kleineren Trupps im Einsatz, so war es möglich an möglichst vielen Schadenplätzen gleichzeitig zu arbeiten. Kleinere Bachläufe konnten nun vom Schwemmholz befreit werden, welches diese verstopft hatte. So konnten wenigstens diese Bäche wieder in ihre Bachbette geleitet werden und von den schon überfluteten Kellern, Garagen und Wohnungen ferngehalten werden.

So reihte sich Einsatz um Einsatz. Kaum meldete man der Zentrale einen Einsatz als beendet, musste man an den nächsten Schadenplatz fahren. Unzählige Garagen, Keller und  Liftschächte waren teilweise meterhoch unter Wasser. Strassen mussten notdürftig von Geröll und Schlamm befreit werden, so kam mitten im Sommer wieder der Schneepflug zum Einsatz. Probleme bereiteten einige Öltanks, denn diese wurden durch das viele Wasser angehoben und schwammen im Wasser, dadurch wurden die Leitungen teilweise beschädigt. Ein Öltank kippte sogar um und musste durch die Feuerwehr wieder aufgestellt werden. Glücklicherweise floss kein Öl aus diesen Tänken aus! In der Brächen trat die Minster über die Ufer und überschwemmte Parkplätze und Strasse.

Etwa um 00.00 Uhr war die Lage in Oberiberg wieder einigermassen im Griff und auch die Strassen waren wieder passierbar. Daher entschloss die Einsatzleitung, nach einer kurzen Zwischenverpflegung im Feuerwehrlokal, in Unteriberg Nachbarschaftshilfe zu leisten.

Um ca. 00.30 Uhr traf die Feuerwehr Oberiberg zur Unterstützung in Unteriberg ein. Auf der Fahrt nach Unteriberg realisierten wir ein erstes Mal, dass Oberiberg wohl mit einem blauen Auge davon gekommen war. Das Dorf Unteriberg, welches auch noch die ganzen Wassermassen von Oberiberg zu verkraften hatte, wurde schwer getroffen. Hier wurden Brücken weggerissen oder schwer beschädigt, auf der Höhe des Feuerwehrlokals trat die Minster über ihr Ufer und überschwemmte das gesamte Feuerwehrlokal sowie den Kommandoraum der Luftschutzanlage. Glücklicherweise war der grosse Teil der Feuerwehr zu diesem Zeitpunkt schon ausgerückt und niemand befand sich in der Luftschutzanlage. Weniger Glück hatten jene Feuerwehrleute, welche ihre privaten Autos infolge des Einsatzes vor dem Feuerwehrlokal parkiert hatten.  Diese Fahrzeuge wurden teilweise von der Flut mitgerissen und schwer beschädigt! Beinahe jeder Bach in Unteriberg ging über die Ufer und richtete verheerende Schäden an, viele Geschäfte, das Altersheim, sowie unzählige Liegenschaften wurden stark in Mitleidenschaft gezogen.

Unser Einsatz in Unteriberg galt dem Auspumpen der Luftschutzanlage, er wurde jedoch um ca. 02.00 Uhr abgebrochen, da wir mit unseren Pumpen keinen Erfolg hatten, hier musste mit grösseren Maschinen ans Werk gegangen werden.

Daraufhin rückte die Feuerwehr Oberiberg kurz nach 02.00 Uhr wieder ein, dies auch aus Rücksicht auf die Mannschaft, welche am folgen Tag auch noch alle Hände voll zu tun hatte.

Der Tag danach zeigte dann erst das wahre Ausmass der Katastrophe. Ab 09.00 Uhr waren die Aufräumarbeiten bereits in vollem Gang. Hinzu kamen weitere Meldungen von unter Wasser gesetzten Kellern, Garagen und Heizungsanlagen. Auch mussten Strassen, Einfahrten zu Garagen und zahlreiche Parkplätze von einer dicken Schlammschicht befreit werden. Einige Ferienhausbesitzer trafen nun in ihren Häusern ein und benötigten die weitere Hilfe der Feuerwehr. So kamen zu den Aufräumarbeiten während des ganzen Donnerstags weitere Einsätze dazu. Einige Wohnungen wurden zum Teil ganz überschwemmt und mussten ausgepumpt werden.

Auch am Freitag, zwei Tage nach dem Unwetter, war die Feuerwehr Oberiberg mit weiteren Aufräumarbeiten beschäftigt. Sie konnte diese am Abend jedoch weitgehend abschliessen. Nun stand aber noch die Retablierung des gesamten im Einsatz stehenden Materials auf dem Programm, diese Arbeiten dauerten dann doch noch bis etwa um 21.00 Uhr.

Am Samstag ging dann noch eine weitere Meldung über eine von einem Erdrutsch und Holzschlag bedrohte Liegenschaft bei der Feuerwehr Oberiberg ein. Hier musste dann am Samstagabend noch Holz mit einem Helikopter ausgeflogen werden um die Gefahr zu bannen.

Am Samstag wie auch am Sonntag standen dann noch einige unserer Feuerwehrmänner im Verkehrsdienst in Unteriberg im Einsatz. Hier war der Auftrag den Verkehr so zu regeln, dass die pausenlos im Einsatz stehenden Lastwagen und schweren Baumaschinen ungehindert ihre Arbeit verrichten konnten. Dies war nötig, weil leider wieder viele so genannte „Katastrophentouristen“ und der grosse Wochenendverkehr die Arbeit der Einsatzkräfte behinderten.

Die Feuerwehr Oberiberg möchte sich an dieser Stelle bei allen freiwilligen Helfern bedanken, welche uns tatkräftig unterstützt hatten. Ebenfalls bedanken möchten wir uns für die diversen Spender von Getränken und Zwischenverpflegungen. Ein grosser Dank geht auch an die Feuerwehr Illgau für ihre Unterstützung, die Zusammenarbeit hat ausgezeichnet funktioniert und zeigt, dass bei einem so grossen Ereignis unter den Feuerwehren eine tolle Solidarität besteht.

Glücklicherweise mussten wir in Oberiberg keine Verletzten beklagen, die Sachschäden sind jedoch auch bei uns enorm und lassen sich im Moment nicht beziffern.

Details, wie eingesetzte Mittel und Mannsstunden für diesen Einsatz folgen später mit dem Bericht des Kommandanten.

Wir haben für Sie noch eine Fotogalerie mit vielen Fotos vom Einsatz und den Aufräumarbeiten zusammengestellt. Vom Einsatz während und kurz nach dem Unwetter sind verständlicherweise nur wenige und qualitativ nicht so gute Fotos vorhanden, in der Nacht lag die Priorität selbstverständlich nicht beim Fotografieren! Die Fotogalerie beinhaltet Fotos aus Oberiberg und Unteriberg bis nach Euthal.

24.06.07 / Werner Bindschedler, Fw Oberiberg

Fotos: Mike & Werner Bindschedler, Diverse                   Fotogalerie            Bericht der Kommandanten            Liste der Einsätze